DIE TEUFEL VON LOUDUN

Montag, 27. Juni 2022,
19.00 Uhr,
Nationaltheater.

Livestream der Premiere von DIE TEUFEL VON LOUDUN
Oper in drei Akten von Krzysztof Penderecki (1933–2020) Uraufführung: Hamburg, 20. Juni 1969 Premiere im Nationaltheater am 27.06.2022

Komponist Krzysztof Penderecki. Libretto vom Komponisten nach The Devils of Loudun von Aldous Huxley in der Dramatisierung von John Whiting unter Benutzung der deutschen Übertragung des Dramas von Erich Fried (1968/69).

Als Video on Demand ist die Aufzeichnung der Premiere bis 27.7.2022 auf Staatsoper.TV zu erleben.



BESETZUNG

Musikalische LeitungVladimir Jurowski
InszenierungSimon Stone
BühneBob Cousins
Mitarbeit BühneAnna Wunderskirchner
KostümeMel Page
LichtNick Schlieper
KlangregieSven Eckhoff
ChöreStellario Fagone
DramaturgieMalte Krasting
JeanneAusrine Stundyte
ClaireUrsula Hesse von den Steinen
GabrielleNadezhda Gulitskaya
LouiseLindsay Ammann
PhilippeDanae Kontora
NinonNadezhda Karyazina
GrandierWolfgang Koch
Vater BarréMartin Winkler
Baron de LaubardemontWolfgang Ablinger-Sperrhacke
Vater RangierAndrew Harris
Vater MignonUlrich Reß
Adam, ApothekerKevin Conners
MannouryJochen Kupfer
d'ArmagnacThiemo Strutzenberger
de CerisayBarbara Horvath
Prinz Henri de CondéSean Michael Plumb
Vater AmbroseMartin Snell
BontempsChristian Rieger
GerichtsvorsteherSteffen Recks
Ursulinen Anna Avdalyan Helene Böhme Rebecca Suta Mechtild Söffler Mengting Wu Camilla Saba Davies Elisa de Toffol Tina Drole Albina Gitman Laura Hilden Ulrike Malotta
Bayerisches Staatsorchester Bayerischer Staatsopernchor und Extrachor der Bayerischen Staatsope

BESCHREIBUNG

Der Name Simon Stone, vor fünf Jahren noch ein Geheimtipp, ist in der Welt des Musiktheaters inzwischen zu einem Markenzeichen geworden. Der in Basel geborene und in England und Australien aufgewachsene Regisseur hat sich mit detailgetreuen, realistischen, konsequent in moderne Bild- und Lebenswelten übertragenen Opern in kürzester Zeit einen Ruf erworben. Schon zu Schulzeiten gründete er eine eigene Theaterakademie, mit der er Dramen von Tschechow und Ibsen adaptierte und sein Konzept der „Überschreibungen“ alter Geschichten in neuzeitlichem Ambiente entwickelte. Seit 2012 wurde die internationale Theaterwelt mit Einladungen zu Festivals auf seine Arbeit aufmerksam, 2015 drehte er seinen ersten Kinofilm, 2021 folgte der zweite, The Dig.  Simon Stones Handschrift ist unverkennbar, ob er mit Ralph Myers als Bühnenbildner (wie bei der Toten Stadt, seiner ersten Opernarbeit, die 2016 in Basel und 2019 in München gezeigt wurde) oder, wie bei den Teufeln von Loudun, mit Bob Cousins (Bühne) und Mel Page (Kostüme) zusammenarbeitet – letztere beide sind langjährige Partner in einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit, die noch auf studentische Produktionen in Australien zurückgeht und bis zu gefeierten Premieren bei den Salzburger Festspielen (Lear, Médée) reicht. Die musikalische Leitung der Münchner Erstaufführung von Pendereckis erster Oper liegt in den Händen von GMD Vladimir Jurowski, der sich schon einmal für das Werk stark gemacht hat – bei den Dresdner Musikfestspielen ziemlich genau 20 Jahre vor der Münchner Premiere: beste Voraussetzungen also für das Teamwork um die Teufel von Loudun.

INHALT

Sündige Fantasien einer Nonne, unzüchtige Ausschweifungen eines Priesters, Neid und Eifersucht bigotter Kleinbürger – und über allem der politische Masterplan eines ehrgeizigen Kirchenmanns: Aus dieser Gemengelage entstand in einer französischen Provinzstadt des frühen 17. Jahrhunderts ein Exorzismus-Exzess. Die vorgetäuschte Teufelsaustreibung der vermeintlich besessenen Ursulinerin Jeanne wurde für Kardinal Richelieu zum Mittel, unliebsame Kräfte wie den offenherzigen Geistlichen Grandier auf dem Schafott zum Schweigen zu bringen und so ein Klima der Angst zu schaffen, in dem niemand mehr wagen wird, sich gegen ihn zu stellen.

Aldous Huxley hat diese Vorgänge 1952 in einem historischen Roman bildkräftig dargestellt und Krzysztof Penderecki 1969 aus einer Dramatisierung dieses Buchs eine Oper gestaltet, die ihresgleichen sucht: Die Teufel von Loudun. In ihr fährt er eine Riesenfülle an Stimmen und Instrumenten, an Klängen und Geräuschen auf, die er ganz auf die szenischen Belange hin kombiniert. Wie Wellen schwappen die 30 knappen Szenen über die Zuschauer, und nach kurzer Zeit schon schnappt man nach Luft. Dieses Werk gehört zu den eindringlichsten des 20. Jahrhunderts, ist bestürzend aktuell geblieben und kommt nun, erstmals in München, als Premiere zur Eröffnung der Opernfestspiele 2022 auf die Bühne des Nationaltheaters.

„Dem Teufel ist nicht zu glauben, und spräche er auch die Wahrheit“, lautet ein alter Glaubensgrundsatz. Aber wenn ein König teuflischen Einflüsterungen Glauben schenkt, kann es schnell düster um ihn werden. „Lerne, was Liebe heißt“, gibt Grandier auf dem Weg zu seiner Hinrichtung Jeanne zu bedenken. Denn nur, wer liebt, darf sich wahrhaft königlich nennen.